Was ist systemisch?

Die systemische Psychotherapie ist ein modernes Psychotherapieverfahren, das 2008 durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie (WBP) anerkannt wurde. In Abgrenzung zu anderen Therapie-Verfahren, wie zum Beispiel der Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse, betont die systemische Therapie die Bedeutung sozialer Interaktionen für die Entwicklung psychischer Störungen. Der Ansatz impliziert damit ein anderes Krankheitsverständnis. Psychische Erkrankungen werden nicht als ein persönliches Merkmal, sondern als Teil einer Interaktion gesehen, an der eine Person so sehr leidet, dass ihr Krankheitswert zugeschrieben wird.  

 

Um psychische Störungen zu verstehen, betrachten systemische Therapeuten also die dynamischen Wechselwirkungen zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften eines Menschen sowie den sozialen Bedingungen. Störende Symptome sind das Ergebnis krankheits-erzeugender oder krankheits-stabilisierender Beziehungsmuster. Systemische Therapie setzt bei der Neugestaltung von Interaktionen und Kommunikation an.

 

Die Besonderheit systemischer Therapie liegt für mich persönlich in der therapeutischen Haltung und dem zugrunde liegenden Menschenbild. Die therapeutische Haltung ist von aufrichtigem Interesse und Wertschätzung geprägt. Sie respektiert verschiedene Lebensentwürfe und bewertet nicht. Der Mensch wird als autonomes Individuum verstanden. Diese therapeutische Haltung bildet in meinen Augen das Herzstück der systemischen Therapie.

Ressourcen

Ressourcenorientierung ist ein Grund-stein systemischer Praxis. Der Fokus liegt in dem Erkennen und der Reaktivierung von Ressourcen, Fähigkeiten und Stärken. Dadurch entstehen neue Sichtweisen und neue Verhaltensweisen werden ermöglicht.

 

Respekt

Systemische Therapeuten widmen sich ihren Klienten mit einer wertschätzenden Haltung. Sie lassen sich unvoreingenommen und empathisch auf die Wirklichkeitskonstruktion des Klienten ein und haben Interesse am anderen und daran, dessen Wertesystem kennen zu lernen.

kundenorientierung

Systemische Therapie orientiert sich konsequent an den Interessen und Zielen des Klienten. Zu Beginn einer systemischen Therapie steht eine genaue Klärung des Auftrags und der Erwartungen des Klienten.  

  

Zirkularität

Mit Zirkularität ist gemeint, dass Systemische Therapie nicht von einer eindeutigen, kausalen Beziehung zwischen Ursache und Problem ausgeht. Es wird angenommen, dass erst das Zusammentreffen verschiedener Umstände und die wechselseitige Beeinflussung von Menschen Probleme verursacht. 

Autonomie

Klienten werden als autonome Experten ihres eigenen Lebens angesehen. Sie wissen selbst am besten, was gut für sie ist. Die Rolle des Therapeuten besteht darin, Rahmenbedingungen für Veränderungen zu schaffen und die eigene Expertise beizusteuern - ohne Vorgaben zu machen. 

 

Neutralität

In der systemischen (Familien-) Therapie ist der systemische Therapeut neutral gegenüber allen Systemmitgliedern. Der Therapeut bezieht nicht Partei, sondern lenkt die Aufmerksamkeit der Systemmitglieder auf die Beziehung. Auch bewertet der systemische Therapeut keine Personen oder Ideen der Einzelnen.